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Bernerzeitung, 6. Februar 2009

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Hochzeitstorten in Bern

Hochzeitstorten in Bern

Bernerzeitung, 6. Februar 2009

Hochzeitstorten. Alles andere als altbacken.


Bunter, aufwändiger, spektakulärer: Trends aus England und den USA erreichen die Schweizer Backstuben. Auch Hochzeitstorten sind nichtmehr nur klassisch weiss.

Schuld an allem ist eine Fernsehserie. Als Carrie bei «Sex and the City» genussvoll in ein Cupcake biss, löste sie einen regelrechten Hype um die bunt dekorierten Rührteig-Minitörtchen aus. Vor der Magnolia Bakery in New York standen Fashionistas bald Schlange für die kleinen Designerkuchen. Am Ende musste die Bäckerei das Kontingent von verkauften Küchlein pro Person beschränken. Die Welle ist von der «Cupcake Nation» (TimeMagazine) nach Kontinentaleuropa geschwappt. In grösseren deutschen Städten eröffnen auf Törtchen spezialisierte Lokale. In England sind Konditorinnen wie Peggy Porschen dank ihren kunstvollen und kostspieligen Backwaren, die sie vornehmlich für Prominente kreieren, längst selbst zu Stars avanciert. Patissiers lancieren – wie Modedesigner – eigens Gebäck-Kollektionen. «Cake Couture» nennt sich dieser Zweig. Aufwändig dekorierte Desserts als Modeerscheinung, als ultimative Party-Attraktion – Design über alles.

Die Torte passt zum Motto
Nun klopft der Trend zu ausgefallenem Gebäck mit extravaganter Verzierung, wenn auch zögerlich, an die Türen der Schweizer Backstuben. Auch bei der Königin des Backwerks, der Hochzeitstorte: Zwar wählen die meisten Paare nach wie vor traditionelle Kuchen – weiss, fünfstöckig und mit Rosen verziert. «80 Prozent der Hochzeitstorten, die wir herstellen, sind ganz klassisch gehalten », erzählt der Zürcher Confiseur Robert Lienert. Doch immer mehr junge Paare verlangen nach etwas Ausgefallenem. «Die Wünsche haben sich verändert», sagt die Hochzeitsplanerin Evelyne Schärer, Inhaberin der Perfect Day GmbH. Viele fragen nach einer individuellen Torte, die zu ihrer Liebesgeschichte passt. Auch werden Hochzeiten zunehmend unter ein Motto gestellt, das sich dann bis zur Designertorte durchzieht. Der letzte Schrei sind Torten, die aus lauter kleinen Cupcakes bestehen, die auf einer Etagère angeordnet sind.

Doch wo besorgt man aussergewöhnliches Gebäck? Meistens wird der Hauspatissier des Hotels oder Restaurants, in dem die Feier stattfindet, mit der Torte betraut. Confiserien wie Eichenberger in Bern oder Sprüngli (im Westside) liefern ausgezeichnete klassische Torten. Doch sei es etwa in Bern «schwierig», ausgefallenes Backwerk zu kriegen, findet Hochzeitsplanerin Schärer. In Zürich hat sich die Confiserie Lienert auf Hochzeitstorten spezialisiert; sie bietet unter www.hochzeitstorte.ch sogar einen Online-Bestellservice an. Wer in Bern eine ganz spezielle Torte sucht, ist bei Rolf Mürner in Zimmerwald an der richtigen Adresse: Der Patissier-Weltmeister von 2007 erfüllt «jeden Wunsch». Das hat seinen Preis: Während man Billig-Angebote für Torten zu 8 Franken pro Person findet, geht Lienert von einem Preis ab 11 Franken pro Gast aus, und bei Rolf Mürners Sonderanfertigungen beträgt das Minimum rund 15 Franken – je nach Aufwand.

Selbermachen ist in
Die Torte selbst zu machen kommt nicht billiger. Selber backen ist aber – im Zuge eines allgemeinen Do-it-yourself-Trends – derzeit total chic. Rolf Mürner bietet an der Chocolate Academy Zürich am 21./22. April erstmals einen Hochzeitstorten- Kurs an. Die Nachfrage ist «sehr gross, wir haben nur noch wenige Plätze». Auch die Basler Konditorin Wencke Schmid führt Torten-Dekokurse durch, die sehr beliebt sind.
Allerdings dürfte das Brautpaar wie auch der innerste Zirkel der Hochzeitsgesellschaft kurz vor dem Fest anderes zu tun haben, als in der Backstube zu stehen. Mal abgesehen davon, dass es eine Kunst ist, eine Torte zu backen und zu dekorieren. Und gerade an der Hochzeit soll es ja ein Prunkstück sein. Ob nun traditionell weiss und mit Rosen – oder bunt und ausgefallen.

TEXT: Sarah Pfäffli

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