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St. Galler Tagblatt, 22. Januar 2011
"Das Geschäft mit der Liebe"
Neben Wedding-Planern will nun auch die Zürich-Versicherung Kapital aus dem schönsten Tag
im Leben schlagen: Sie bietet eine Hochzeitspolice an – am Kiosk.
«Heiraten liegt wieder im Trend»,
sagt Franco Tonozzi, Mediensprecher
von Zürich Schweiz.Die Zahlen
geben ihm recht: 2009 haben
in der Schweiz 41900 Paare geheiratet;
das sind 400 Eheschliessungen
mehr als 2008. Auch in den
Jahren zuvor hatte man kontinuierlich
mehr Hochzeiten gezählt.
Die Zürich-Versicherung reagiert
nun auf den Anstieg –
mit einer Hochzeitspolice. Das
Produkt für 69 Franken ist an
317 Valora-Kiosken in der
Deutschschweiz erhältlich.
Brautpaare bringen für ihre
Hochzeit eine Menge Geld auf, im
Durchschnitt 15000 bis 20000
Franken. Die neue Versicherung
schützt angehende Eheleute vor
unerwarteten Vorfällen, die zur
Absageder Hochzeit führen könnten.
So schliesst die Police Krankheit
oder Unfall des Paares sowie
von deren Angehörigen ein. Fällt
der Flug aus und ist die Anreise somit
nicht möglich oder geht der Veranstalter des Festes in Konkurs,
springt die Versicherung
ebenfalls ein. Bekommt die Braut
oder der Bräutigam vor dem Altar
aber kalte Füsse, haftet Zürich
Schweiz nicht. « Liebe lässt sich
nicht versichern», sagt Tonozzi.
Zürich Schweiz ist überzeugt,
dass das Produkt auf Anklang
stösst. « Eine Umfrage bei Hochzeitsplanern hat gezeigt,
dass viele
Brautleute wegen unvorhersehbarer
Ereignisse wie Todesfällen in der Familie auch mit einem
Kloss im Hals vor den Altar treten.
Sie können sich den Ausfall nicht
leisten», sagt Tonozzi. Weil das
Zielpublikum– Leute im Alter zwischen
20 und 35 Jahren– oft « nicht
viel mit Versicherungen am Hut»
habe, verkaufe Zürich Schweiz die
Police an Kiosken. «Das Produkt
ist so einfach, dass man es an Ort
und Stelle versteht.»
Wer seine Hochzeit bisher versichern
lassen wollte, musste auf
teure Spezialversicherungen zurückgreifen.
Die neue Hochzeitspolice
schliesst eine Lücke, wie
Stefan Thurnherr, Versicherungsspezialist
beim Vermögenszentrum
VZ, bestätigt: « Ein Renner
wird das Produkt trotzdem nicht.»
Eine solche Police mache bei aufwendigen
Hochzeiten zwar Sinn,
aber nicht bei einfachen Festen.
« Kommt es da zu einer Absage,
zeigen sich zum Beispiel Restaurants
oft kulant», sagt Thurnherr.
Anderer Meinung ist da Caterina
Pelosato vom Hochzeitsplaner
Wedding à-la-carte in Pfäffikon
SZ: « Für das Brautpaar ist die
Hochzeit ein emotionaler Anlass,
für Fotografen, Floristen, Restaurants
aber ein Geschäft.» Zwar
würden einige Anbieter bei einer
Absage vielleicht auf einen Teil der
vereinbarten Summe verzichten,
aber nicht auf den ganzen Betrag.
Die Hochzeitsplanerin wird ihren
Kunden die Hochzeitspolice empfehlen.
Davon abraten wird hingegen
Evelyne Schärer von « Your perfect
day». Die Marketingfachfrau arbeitet
seit sieben Jahren als Hochzeitsplanerin.
«In dieser Zeit habe
ich lediglich zwei Eheschliessungen
absagen müssen – weil sich
die Paare zuvor getrennt haben.»
In solchen Fällen kommt die Versicherung
nicht auf. «Diese Police
braucht es nicht», sagt Schärer
und fügt hinzu: «Niemand will,
dass an seiner Hochzeit etwas
schiefläuft. Die Versicherung verdient
an der Angst der Brautleute.
»
Diana Bula
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