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Tiroler Tageszeitung | tt.com | 14. Mai 2010
Sparen beim Heiraten. Sparen, ohne zu bedauern
Eine Hochzeit soll ein rauschendes und unvergessliches Fest werden. Das kann aber auch ganz schön ins Geld gehen.
Wo man sparen darf und wo auf keinen Fall, erzählen Experten, die es wissen müssen.
Innsbruck – Ab Mai grassiert traditionell das Hochzeitsfieber.
Auf sommerliches Wetter für den schönsten Tag im Leben
kann das Brautpaar dabei nur hoffen. Das Budget für das
große Fest hat es dafür selbst in der Hand. Doch wer will
sich bei dem großen Fest schon lumpen lassen? Und so läppern
sich die Kosten für diverse Wünsche schnell zu einer ansehnlichen
Summe zusammen. Den Sparstift in der Planung anzusetzen,
muss aber nicht schmerzen. Vorausgesetzt, man macht es
richtig.
Das fängt schon bei der Garderobe an. So manches
Geschäft für Brautmoden bietet nämlich Kleider aus zweiter
Hand an. Ein Brautkleid wird meist ja ohnehin nur an einem
Tag getragen. Nach der Reinigung ist es fast wie neu und
kann mitunter auch eine zweite Braut sehr glücklich machen,
anstatt in einem Kasten zu verstauben.
„Die angehenden Bräute stört es nicht, dass ihr künftiges Brautkleid schon
einmal getragen wurde“, sagt Helga Windisch von Brautline
in Buch bei Jenbach. Sie bietet in ihrem noch jungen Laden
überhaupt nur gebrauchte Brautkleider an, die zwischen
300 und 700 Euro kosten.
„Ich hab nicht extra nach einem
gebrauchten Kleid gesucht, aber das hat mir einfach am
besten gefallen“, erzählt Melanie Ragg, die im September
in ihrem gebrauchten Traum aus Weiß geheiratet hat. Gern
hätte sie gewusst, wie es wohl der Vorbesitzerin an ihrem
großen Tag ergangen ist. „Das macht schon ein bisschen
neugierig“, sagt Ragg.
Der Preis ihres Kleides war für
sie nicht ausschlaggebend, aber trotzdem war sie froh,
die komplette Brautausstattung mit Kleid, Wäsche und Schuhen
zu einem Preis bekommen zu haben, zu dem sie woanders
vielleicht nur das Kleid kaufen hätte können.
Auch Dagmar
Melmer kann ein Lied von gebrauchten Brautkleidern singen.
In ihrem Brautladen „Von Braut zu Braut“ in Barwies gibt
es rund 200 Kleider, ein Viertel davon wurde schon mindestens
einmal getragen. Diese gebrauchten Kleider sind ganz schön
gefragt. Immerhin kosten sie um rund ein Drittel weniger
als neue und sind trotzdem einwandfrei. „Wir nehmen nur
Kleider in ausgezeichnetem Zustand sind“, sagt Melmer.
Denn die Bräute wollen ja auch in einem gebrauchten Kleid
alle Gäste in den Schatten stellen.
Zweimal verwerten
lassen sich aber nicht nur Kleider, sondern auch Blumen.
„Die Banksträußchen aus der Kirche kann man, wenn man
einen guten Floristen hat, durchaus auch noch einmal für
die Dekoration beim Fest verwenden“, weiß etwa Hochzeitsplanerin
Evelyne Schärer. Den Blumenschmuck der Festtafel könnten
auch Laien gestalten, vorausgesetzt, das nötige Talent
ist vorhanden. „Je schmäler das Budget ist, umso mehr
muss man natürlich selbst machen. Aber solche Aufgaben
sollten immer nur Leute übernehmen, die bei der Hochzeit
keine wichtige Rolle spielen“, so die 40-Jährige. Also
weder Braut, Bräutigam noch Trauzeugen. Die hätten auch
so genug Stress.
Ein Fall für den Profi sind laut der
Expertin auf jeden Fall die Hochzeitsfotos. „Was man für
einen Wein getrunken hat, vergisst man schnell. Aber die
Bilder hat man ein Leben lang und zeigt sie später noch
seinen Enkeln.“
Apropos Speis und Trank. Beides in einem
Restaurant zu sich zu nehmen, ist in der Regel billiger
als einen Caterer zu beauftragen. „Der muss ja alles zur
Location hinbringen. Oft sogar Stühle und Tische. Und
das kostet“, so Schärer. Einen zu großen Stellenwert sollte
man dem Essen im Übrigen nicht einräumen, zumindest was
die Länge des Menüs betrifft. Und das nicht nur aus Kostengründen.
„Ich rate immer dazu, nur drei Gänge zu bestellen. Denn
jeder Gang dauert im Schnitt eine halbe Stunde. Und man
will ja nicht bis ein Uhr essen, sondern auch genug Zeit
zum Feiern haben.“
Neben Zeit ist auch Stimmung gefragt,
damit die Party richtig in Schwung kommt. Und die nötige
Musik dafür muss nicht unbedingt von einer Band kommen.
„Besser ein guter DJ als eine schlechte Band“, rät Schärer.
Der sei nicht nur billiger, sondern habe auch ein viel
größeres Repertoire. Tanzen statt sitzen ist auch angesagt
bei einem Event, für den die Brautleute so viel bezahlen
wie für einen Kleinwagen.
Wen sie zum schönsten Tag ihres
Lebens einladen sollen, sorgt oft im Vorfeld schon für
heiße Diskussionen unter den ehewilligen Paaren. Mit jeder
Person, die an der Tafel Platz nimmt, steigen die Kosten.
Vergrämen will man aber auch niemanden. „Im ländlichen
Raum ist es oft üblich, die ganze Verwandtschaft einzuladen.
Aber ich finde, man sollte die Leute einladen, die einem
wirklich nahestehen“, so die Hochzeitsplanerin. Stehen
rund 60 Leute auf der Liste, sei das die perfekte Größe.
„Da kann man sich noch mit seinen Gästen unterhalten.
Außerdem ist es leichter, einen passenden Ort für die
Feier zu finden.“
Eine Suche, die auch zu den Hauptaufgaben
eines Hochzeitsplaners zählt. Und wenn man Schärer glauben
darf, ist das Engagement so eines Experten der beste Weg
zu sparen: „Wir wissen, wo man die beste Leistung für
das wenigste Geld erhält, und bekommen die besten Konditionen.“
Jene zehn bis fünfzehn Prozent vom Gesamtbudget, die ein
Weddingplaner kostet, würde der damit selbst mindestens
wieder hereinspielen.
Von Maria Reisigl, Christian Willim
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